Ersatzbeförderung nach Annullierung: Wie richtig vorgehen?

Kommt es zur Annullierung eines Fluges (das kann auch eine „Umbuchung“ auf eine andere Zeit mit anderer Flugnummer geschehen), können Passagiere ein Interesse an einer Ersatzbeförderung haben. Dabei ist es – auch wenn Airlines gerne hierüber irreführen – unbeachtlich, ob Grund der Annullierung außergewöhnliche Umstände sind. Bei der Geltendmachung des Anspruchs auf Ersatzbeförderung gibt es einige Fallstricke.

Ersatzbeförderung zum Wunschzeitpunkt

Die Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zu einem späteren Zeitpunkt nach Wunsch des Fluggastes, vorbehaltlich verfügbarer Plätze nach Art. 8 Abs. 1 lit. c) der VO 261/2004/EG gibt dem Passagier lediglich einen Anspruch darauf, vom bisherigen Luftfahrtunternehmen befördert zu werden. Wer also mit Lufthansa geflogen wäre, darf nur eine Umbuchung mit Lufthansa verlangen. Dabei kommt es nur auf die Verfügbarkeit eines Sitzplatzes an. Airlines dürfen keine zeitlichen Beschränkungen („Nur bis 31. Dezember 2021“) vornehmen oder Buchungsklassen von der Buchung ausnehmen, solange in der gleichen Reiseklasse ein Platz verfügbar ist.

Fällt ein Flug am 15. November 2020 von Düsseldorf nach Palma de Mallorca mit Eurowings in der Economy Class aus, kann eine Umbuchung zum Beispiel auf Düsseldorf-Palma de Mallorca mit Eurowings in der Economy Class zu Ostern 2021 verlangt werden, soweit ein Sitzplatz verfügbar ist.

Ersatzbeförderung auf nächstmöglichem Flug

Aus Art. 8 Abs. 1 lit. b) der VO 261/2004/EG ergibt sich ein Anspruch auf Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Hier hat der Passagier nicht die Wahl des Zeitpunktes, kann dafür aber – so die herrschende Meinung – auch eine Beförderung mit einem anderen Luftfahrtunternehmen wünschen. Zur Sicherheit würde ich „nächstmöglich“ dabei vom eigentlich Abflugzeitpunkt ausgehend auslegend.

Wer am 23. Dezember 2020 auf Frankfurt-Paris, Abflug 9:10 Uhr mit einem Umstieg in Prag mit Czech Airlines in der Economy Class gebucht ist, darf bei Annullierung den nächstmöglichen Flug in der Economy-Class mit Lufthansa um 9:15 Uhr über München auswählen, nicht aber um 9:50 Uhr den Flug mit Austrian über Wien.

Eine Suche über Flugsuchmaschinen, die als Bildschirmfoto dokumentiert werden sollte, hilft bei der Auswahl des geeigneten Fluges.

Und wenn die Airline sich weigert?

Gerade Umbuchungen auf andere Airlines sind den Luftfahrtunternehmen ein Dorn im Auge, denn sie Kosten Geld. Ansprechpartner ist das ausführende Luftfahrtunternehmen der eigentlich gebuchten Flüge. Verweigert Ihr Luftfahrtunternehmen die Umbuchung, fordern Sie es per E-Mail (Tipps zur richtigen Geltendmachung) zur Umbuchung auf (Musterschreiben hier). Mein Vorschlag: eine konkrete Verbindung wird dabei nicht verbindlich verlangt, sondern nur angeregt. Nach Ablauf einer angemessenen Frist (in der Regel 7-10 Tage, bei kurzfristigen Abflügen auch kürzer) buchen Sie den Wunschflug (gleiche Airline) oder nächstmöglichen Flug (fremde Airline) auf eigene Kosten und verlangen die Erstattung unter Fristsetzung von z.B. 10 Tagen (Musterschreiben hier).
Nach Ablauf der Frist sollten Sie den Anspruch gerichtlich geltend machen oder einen Rechtsanwalt beauftragen.

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top